10.04.2011 Sevlievo (BUL) /

17.04.2011 Megalopolis (GRE)

Hey Leute,

Nach fast drei Wochen on Tour gibt’s viel zu erzählen, ich hoffe ich vergesse nichts.
Vor dem WM-Auftakt in Bulgarien fand in Bensdorf das erste Rennen zum DMV MX Ladies Cup statt. Dort gab es keine Zwischenfälle, ich konnte hinter Larissa den zweiten Rang in der Tageswertung einfahren und auch sonst lief alles gut. Anschließend musste ich dann noch bis Dienstag zur Schule und Klausuren schreiben. Das war echt stressig aber da ich für die WM acht Tage frei brauchte musste ich da durch. :)

Wie immer habe ich am Dienstag vor unserer Abreise noch ein paar Minuten auf dem Bike gesessen, danach wurde alles schick gemacht und wir sind Mittwoch Vormittag losgefahren. Aber wir waren keine zwei Kilometer auf der Autobahn unterwegs und standen natürlich erst einmal im Stau. Na ja die Fahrt zog sich dann ziemlich lang hin, im Großen und Ganzen ist nichts interessantes passiert und ich vertrieb mir die Zeit mit meiner kleinen Schwester Emy.

Donnerstagabend sind wir nach langem Suchen und sozusagen Polizeischutz endlich an der Strecke angekommen. Wir sind in Sevlievo durch die Stadt gefahren und haben die Hinweisschilder zur Strecke einfach nicht gesehen - nach so einer langen Fahrt sieht man einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die Polizei hatte uns schon beobachtet und uns dann der Weg gezeigt. Na ja, passiert ... :)

Am Freitag stand dann wieder der übliche Kram wie Anmeldung, Maschinenabnahme und so etwas auf dem Plan. Kurz nach dem Mittag bin ich dann wie gewöhnlich eine Stunde locker Rennrad gefahren. Schon am Freitag war es windig wie sau und uns wurde gesagt, das es am Wochenende in keinem Fall besser werden würde. Aber das es am Samstag noch schlimmer kommt, hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.

Das Freie Training am Samstag lief ganz gut. Weil es früh noch nicht so extrem windig war, konnte man ohne Bedenken springen. In der Qualifikation war es dann schon schlimmer, aber ich habe zum Ende hin immer besser zu meinen Rhythmus gefunden und ich war zum Schluss auf einer richtig guten Runde. Es hatte alles gut gepasst - selbst die Whoops, die sonst nicht unbedingt meine Stärke sind. Aber dann erwischte mich an einem Step-up eine Windböe, so dass ich mich nur noch denkbar knapp auf dem Bike halten konnte. Tja, von dem Moment an hatte ich an jedem Sprung sprichwörtlich die Hose voll ...

Ich hatte in beiden Rennen einen schlechten Start und wenn man dann nichts springt, kann man auch nicht richtig nach vorn fahren. Im ersten Rennen kam ich als Vorletzte oder so um den Dreh aus der ersten Kurve, konnte mich dann aber über die Renndistanz irgendwie noch auf 14 vorkämpfen. In Rennen zwei reichte es trotz meiner "Rumfahrerei" immerhin für Platz 11 und damit auch in der Gesamt- wertung für den elften Rang.
Ok, ich bin nicht gefallen oder so, das war dann aber auch schon das einzig Positive. Ich hatte keinen Rhythmus und habe viele technische Fehler gemacht. Das Wochenende in Bulgarien war auch insgesamt sehr komisch, weil ich im Gegensatz zu sonst absolut nicht aufgeregt war und es irgendwie an mir vorbei zog. Ich kann es eigentlich gar nicht richtig erklären. Mein Dad und ich haben dann noch den ganzen Sonntag vom Warm-up bis zum letzten Rennen an der Strecke gestanden und den Jungs bei ihren Rennen zugeschaut. Dabei haben wir natürlich alles gründlich ausgewertet: wo waren meine Fehler, wo waren bessere Spuren zu finden und haben uns auch den Fahrstil der anderen sehr genau angesehen.

Am Montagmorgen ging es dann von Bulgarien aus direkt nach Griechenland, wo ich am Dienstag in Argos trainiert habe. Die Strecke war echt super, es gab schöne Sprünge und der Boden war richtig geil. Von da aus ging es nach Tolo auf einen Campingplatz, wo neben einigen Holländer, auch Larissa und Steffi standen. Zusammen haben wir schön relaxet und gut gegessen. Man konnte da auch richtig gut Rad fahren, immer schön die Berge hoch und auf den Nebenstraßen ging es auch mit dem Verkehr, so dass man keine Angst haben musste, dass man am Spiegel von einem Auto hängt. Leider durften wir aber kein Tretboot fahren... :)

Donnerstagnachmittag sind wir dann los Richtung Megalopoli und im Gegensatz zu Tolo war es da richtig kalt. Als ich mit Vater die Strecke ablief, wussten wir schon, dass mir die Strecke liegen kann, wenn ich locker bleibe und mein eigenes Ding fahre. Schon im ersten Training war ich in den Top 10 und kam super mit der Strecke zurecht, ich hatte einfach meinen Style und war locker - alles Dinge, welche mit in Bulgarien fehlten. Das Pre-Qualifying war Hammer, es ging alles sehr eng zu und der Track war voll griffig. Leider unterlief mein Dad und mir zum Ende der Qualifikation ein Timingfehler. Bis eine Runde vor Schluss lag ich auf Platz vier, aber wir haben einfach verpennt in der letzten Runde noch mal zu setzen und so bin ich noch auf Rang sechs zurückgefallen. Trotzdem waren wir mit dem Resultat zufrieden.

Dann ging es für uns zum ersten Mal ins Qualifikationsrennen. Mein Start war gut, ich fuhr in den ersten zwei Kurven um Platz drei. Leider war es in der zweiten Kurve total rutschig und Steffi kam ziemlich weit nach außen ab, aber zum Glück gab es keine Berührung. Dennoch musste ich deshalb den Speed voll rausnehmen und kam dann den Berg nur langsam hoch und so sind einige Konkurrentinnen an mir vorbei. Am Ende kam für mich Platz sieben für die Startaufstellung heraus. Damit konnten wir schon mal zufrieden sein, aber ich wusste auch, dass noch einiges nach vorne gehen könnte, weil ich ziemlich verhalten gefahren bin.

In der Nacht vom Samstag zum Sonntag hatte es fast pausenlos geregnet und dementsprechend präsentierte sich dann auch die Strecke. Das Warm-up haben wir ruhig angehen lassen, dennoch war ich vor dem ersten Lauf schon etwas nervös, weil es nur regnete und mir klar war, dass es diesmal besonders darauf ankam den Start nicht zu versauen und vor allem auf dem Bike zu bleiben.

In der Startkurve war ich Fünfte, aber schon eine Kurve später konnte ich auf Position vier "vorrutschen". Ich bin dann einfach mein Speed so gefahren, dass ich auf dem Bike bleibe und habe viel nach Spuren geschaut. Aber es war das Chaos pur. Einige Mädels lagen an den Hängen und sind dann sogar die Strecke rückwärts gefahren. Ich hatte richtig Glück, dass ich noch rechtzeitig die Spur wechseln konnte, sonst wäre ich mit einer anderen Fahrerin frontal zusammengefahren. Am Ende kamen nur elf Mädels ins Ziel. Über Platz vier haben wir uns total gefreut, ich hatte einen guten Start und keinen Sturz.

Ich muss zugeben, dass ich es richtig fand, dass der zweite Lauf abgesagt wurde. Es war eine pure Materialschlacht. Trotzdem finde ich es unfair, dass die Punkte an alle Starterinnen verteilt wurden, auch an jene, die gar nicht über die Ziellinie gefahren sind. Ich meine, das kostete mich letztendlich zwei Plätze in der Meisterschaft. Jetzt bin ich Neunte, wäre aber eigentlich schon auf Platz sieben zu finden, wenn nur die Fahrerinnen Punkte bekommen hätten, die auch ins Ziel gefahren sind.

Sonntagabend haben wir uns dann schon auf den Heimweg begeben und sind nach Patra zur Fähre gefahren. Aber was da los war kann man gar nicht beschreiben. Auf jeden Fall war soviel los, dass wir auf dem schnellsten Weg wieder von dort weg sind, um abseits in Ruhe zu schlafen. Wir haben dann Montagmittag einen erneuten Versuch gestartet zur Fähre zu kommen, schließlich fuhr diese dann erst am Abend um sieben.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meinen Team H.& K. Motorsport, besonders bei Kochi und all meinen Sponsoren für die umfangreiche Unterstützung bedanken. Dabei möchte ich in keinem Fall vergessen, meine Eltern in diesen Dank einzubeziehen.

Bis zum nächsten mal

Anne